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“Mir geht es primär um einen Wandel in den Köpfen” – Robin Dechant im Interview

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Führung im Wandel: Die Zukunft der Industrie gestalten

Wer über die Zukunft der Industrie nachdenkt, kommt kaum an Robin Dechant vorbei. Nach einem Studium am Karlsruher Institut für Technologie hat er für Point Nine Capital über Jahre in eine Reihe von Industrie-Startups investiert. Mit seinem Newsletter The Future of Manufacturing hilft er seit Jahren tausenden Lesern, am Puls der Zeit zu bleiben, wenn es um digitale Transformation in der Produktion geht.

Vor kurzem hat er gemeinsam mit führenden Köpfen der Branche Aveo gestartet. Das Projekt soll Entscheider in der Industrie dabei unterstützen, Ihre Belegschaft zu digitalisieren und so zum Treiber von Innovation zu machen. 

Dazu braucht es vor allem eine neue Mentalität. Auch darum geht es in seiner Keynote auf der Frontline Future 2021 mit dem Titel “Führung im Wandel – Die Zukunft der Industrie gestalten”. Und auch hier im Interview.

Du befasst dich intensiv mit Innovation in der Industrie, unter anderem in deinem beliebten Newsletter The Future of Manufacturing. Ist Technologie die Antwort auf alles?

Nein, Technologie ist auf keinen Fall die Antwort auf alles. Zwar spielt Technologie für Themen wie die Digitalisierung natürlich eine sehr wichtige Rolle aber es ist genauso wichtig auch den Menschen hier mitzunehmen. Basierend auf meinen Erfahrungen gibt es vor allem bei dem letzten Punkt einen großen Nachholbedarf. 

Welche Rolle spielt Kommunikation im gewerblichen Sektor und wo gibt es Deiner Meinung nach Verbesserungsbedarf?

Das Interessante ist ja, dass viele Menschen im privaten Leben bereits sehr digital kommunizieren aber dieses Verhalten noch nicht wirklich in die Kommunikation am Arbeitsplatz übertragen haben. In Branchen bei denen die Mitarbeiter:innen verteilt arbeiten ist effiziente Kommunikation natürlich besonders wichtig und das geht digital in den meisten Fällen einfach besser. Außerdem gilt das nicht nur für unternehmensinterne Kommunikation, sondern auch zwischen den Unternehmen – egal ob es sich dabei um einen Kunden oder Zulieferer handelt. Hier gibt es meiner Meinung nach noch einen großen Verbesserungsbedarf, um interne und externe Prozesse effizienter zu machen. 

Die jungen Arbeitnehmer von heute und morgen sind wahre Digital Natives. Wirkt sich das auch auf die Arbeit in der Industrie aus?

Auf jeden Fall und in meinen Augen hat das insbesondere zwei große Effekte:

Erstens möchten und können die jungen Arbeitnehmer:innen verstärkt digital arbeiten. Gerade bei traditionellen Unternehmen, die die Digitalisierung bisher vernachlässigt haben prallen hier manchmal zwei Welten aufeinander. Diese Unternehmen werden es zunehmend schwerer haben gute und digital-affine Nachwuchskräfte zu finden. 

Zweitens stellt die junge Generation viele Anforderungen an die Art und Weise, wie sie arbeiten wollen. Themen wie örtliche und zeitliche Flexibilität der Arbeitszeit, vielfältige Möglichkeiten zur Weiterbildung und die Frage nach dem Sinn der Arbeit haben gerade bei der jüngeren Generation eine viel höhere Wertschätzung. Hier müssen Unternehmen reagieren, wenn sie langfristig ein attraktiver Arbeitgeber bleiben und diese Menschen begeistern wollen. 

Nicht nur Fridays for Future zeigen, dass junge Menschen wieder stärker nach einem Sinn suchen. Muss die Industrie darauf reagieren?

Ja, unbedingt und leider passiert hier viel zu wenig. Viele Unternehmen in der Industrie haben in der Vergangenheit vor allem in Maschinen und Technologien investiert. Hier muss ein Umdenken stattfinden insofern, dass auch mehr in die Menschen investiert werden muss. Die Welt dreht sich immer schneller und arbeiten bedeutet heutzutage nicht mehr für die kommenden Jahrzehnte den gleichen Job zu machen. Gerade junge Menschen möchten zusammen an einer Mission arbeiten und sich weiterentwickeln können, sowohl fachlich als auch menschlich. Das geht nur, wenn man ihnen den Freiraum und die Möglichkeiten dazu gibt –  und das kostet eben Geld. Ansonsten wird es schwierig die besten Talente zu bekommen und zu halten. Unternehmen wie zum Beispiel Volkswagen haben das inzwischen verstanden und eine Reihe an Initiativen ins Leben gerufen. 

Dein Vortrag trägt den Titel “Führung im Wandel: die Zukunft der Industrie gestalten” Um welchen Wandel geht es dir?

Mir geht es primär um einen Wandel in den Köpfen. Wir waren in den letzten Jahrzehnten in Europa in vielen Bereichen technologischer Vorreiter, was zu sehr viel Wohlstand geführt hat. Allerdings verlieren wir zunehmend den Anschluss im internationalen Vergleich und investieren viel zu wenig in Innovationsthemen und Weiterbildung. Wir müssen mehr ausprobieren und ein stärkeres Risiko bei Innovationsthemen eingehen, nur so lernen wir und lernen vor allem schneller, als wenn wir nur reden. Ich bin es Leid in Deutschland ständig Gründe hören zu müssen, warum etwas nicht funktioniert. Vielleicht können wir uns stärker die Frage stellen, was wäre denn, wenn das funktioniert? Das wäre schön, darüber würde ich mich freuen. 

Die Zukunft der gewerblichen Arbeit

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